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Das Dach flach halten

Die Pultdächer eines Anbaus für ein Seniorenheim in Kalletal sollten eigentlich mit Bitumenbahnen abgedichtet werden. Der Dachdecker hatte eine andere Idee und schlug einen speziellen Dachstein vor.
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Seniorenheim Kalletal

Neubau mit flachgeneigten Pultdächern

Das Senioren- und Pflegeheim „Mittendrin" liegt mit seinen 68 Einzel- und sechs Paarzimmern mitten im Ortszentrum der Gemeinde Kalletal in Ostwestfalen-Lippe und wurde mit zwei neuen Gebäuden erweitert. Die Anbauten wurden vom Architektur- und Ingenieurbüro Höfer aus Lemgo in Massivbauweise und mit einem flachgeneigten Pultdach mit Sparren und Vollschalung geplant, um die Einrichtung mit weiteren Wohn- und Funktionsräumen zu versorgen. Auch die Bestandsgebäude sind größtenteils mit Pultdächern ausgeführt. Die Neubauten umfassen durch ihre gewinkelte Lage den schönen Garten, der ausgiebig genutzt wird.

 

Wirtschaftliche Dachsteine

Mit der Ausführung der Dacharbeiten wurde der Dachdeckerbetrieb Huxoll & Ebert aus Kalletal beauftragt, der bereits die Dächer der älteren Gebäude ausgeführt hatte. Die ursprüngliche Planung sah für die Neubauten eine Abdichtung mit Bitumenbahnen auf Schalung vor, was Dachdeckermeister Ebert seinem Bauherren auch anbot. Gleichzeitig ergänzte der Dachdeckermeister sein Angebot allerdings um eine alternative Lösung.

Da die Dächer der Bestandsgebäude mit der Harzer Pfanne 7 von Braas gedeckt sind, konnte der Dachdecker den Architekten und den Bauherren mit seiner alternativen Lösung, dem Einsatz eines 7GradDachs, überzeugen. Bei diesem Dachsystem kommt die Harzer Pfanne F+ mit integrierter Regensperre zum Einsatz, die gestalterisch identisch zur Bedachung der Hauptgebäude des Seniorenheims ist.

Aber nicht nur die gestalterischen Gründe gaben den Ausschlag; vielmehr konnte Dachdeckermeister Ebert seine Auftraggeber auch mit einem günstigeren Angebot überzeugen.

Sicher im System

Nach der Verlegung der Sparren ordneten die Dachdecker zunächst eine Holzschalung als tragfähige Unterlage für das Pultdach an. Die Dachneigung hatten die Architekten mit zehn Grad geplant. Als komplettes Dachsystem für den Bereich zwischen sieben und zwölf Grad Dachneigung ist das 7Grad-Dach mit einer wasserundurchlässigen, dabei aber dampfdiffusionsoffenen Unterkonstruktion ausgestattet und bietet so gute Voraussetzungen für eine dauerhaft funktionssichere und trockene Dachkonstruktion. Feuchtigkeit aus dem Gebäudeinneren kann dabei jederzeit ausdiffundieren, während Wasser von außen trotz der geringen Dachneigung nicht in die Konstruktion eindringen kann.

Grundlage für die Funktionssicherheit des Dachsystems ist die spezielle Dachdeckung mit der Harzer Pfanne F+, die mit einer 30-jährigen Herstellergarantie ausgestattet ist. Aber auch die weiteren Systemkomponenten wie die verpflichtend einzusetzende Unterkonstruktion mit der Unterspannbahn Divoroll Top RU müssen exakt nach Verlegeanleitung ausgeführt werden.

Das sagt das Regelwerk

Traditionell ist für jedes Dachdeckungsmaterial eine Regeldachneigung formuliert, die mit bestimmten Zusatzmaßnahmen auch unterschritten werden darf. Dabei spielt das Regelwerk des ZVDH eine bedeutende Rolle, denn in dieses Regelwerk gehen weitreichende Erfahrungen mit einzelnen Bauprodukten ein. Die Aufgabe ist es, für den allgemeinen Anwendungsfall die einwandfreie technische Ausführung zu beschreiben und dem Handwerker einen gewissen Standard für seine geschuldete Leistung zu geben. Auch für den Bauherrn oder Planer ist das Regelwerk wichtig, da so die vom Auftragnehmer zu leistende Arbeit prinzipiell beschrieben wird.

Eine Dachdeckung im Neigungsbereich von sieben bis zwölf Grad stellt grundsätzlich eine Abweichung von den allgemein anerkannten Regeln der Technik dar. Um davon abzuweichen, muss belegt werden, dass die Abweichung gerechtfertigt und die ausgeführte Lösung mindestens gleichwertig zur Standardausführung ist. So wurde das 7Grad-Dach als System in umfangreichen Versuchsreihen im Labor sowie im unternehmenseigenen Windkanal und in der Praxis unter Freibewitterung durch den Hersteller getestet. Die Gleichwertigkeit der Systemlösung gegenüber Dachkonstruktionen, die für gewöhnlich höhere Dachneigungen erfordern, wurde nachgewiesen und in einer gutachterlichen Stellungnahme von der TU Berlin bestätigt.

Streng nach Verlegeanleitung

Daher bekommen die Verarbeitungsvorschriften des Herstellers und die Verlegeanleitung für das Dachsystem eine wesentliche Bedeutung. Damit der Dachdecker das System ohne grundsätzliche Mängelrüge ausführen kann, sollte die Abweichung vom Regelwerk mit dem Bauherren vereinbart sein und ausschließlich die vorgesehenen Systemkomponenten verwendet werden. Für deren Verlegung in der Fläche sowie an allen Detailbereichen gelten die besonderen Vorgaben der Verlegeanleitung. Zudem muss der Dachdecker folgende Systembestandteile verpflichtend einsetzen:

 

  • Harzer Pfanne F+ mit Regensperre
  • Unterkonstruktion auf druckfester Unterlage, zum Beispiel einer Schalung, mit der Bahn Divoroll Top RU oder der Bahn Divoroll Premium W U
  • abgestimmte Kleb- und Dichtstoffe wie die Divoroll Dichtmasse und der Divoroll Anschlusskleber
  • weitere Systembestandteile für Wand- oder Kaminanschlüsse, Durchdringungen oder die Befestigung einer Solaranlage können je nach Anforderung erforderlich sein

Die Dachdecker wählten bei diesem Dach die Ausführung mit verklebter Divoroll Top RU. Diese Bahn entspricht der Klasse UDB-A des ZVDH-Produktdatenblatts und ist mit einer Freibewitterungszeit von sechs Wochen als Behelfsdeckung geeignet.

 

Leistungsfähiges Unterdach

Aufgrund der Variabilität der Traglattenabstände von 10 mm durch die Regensperre des Dachsteins stimmten die Dachdecker schon bei der Planung die Sparrenlänge auf die Decklänge der Pfannen ab. Die Dacheinteilung erfolgte auf der Konterlattung. Die Traufe wurde mit tief hängender Rinne ausgeführt und die Rinnenhalter bündig eingelassen. Ein Traufstreifen, auf den die Unterspannbahn geführt wurde, ermöglicht die Einleitung von eventuell eingedrungenem Wasser in die Rinne. Die Überdeckung der Traufbleche wurde durch Verlöten wasserdicht hergestellt und zusätzlich mit einem Streifen Kehlsattelband gesichert. 

Anschließend konnte die Bahn vollständig ausgerollt und faltenfrei ausgerichtet werden. Im Überlappungsbereich tackerten die Dachdecker die Bahn oberhalb der Klebezone im überdeckten Bahnenrand. Die nächste Bahn wurde dann ebenfalls ausgerollt und an der Kennzeichnungslinie mit 12 cm Überlappung ausgerichtet. Auch hier erfolgte die Lagesicherung dann wieder im Überdeckungsbereich des oberen Bahnenrands. Danach zogen die Dachdecker die Schutzfolien der Klebestreifen von Ober- und Unterlage gleichzeitig ab. Anschließend drückten sie die obere Bahn auf der unteren Bahn sorgfältig an, damit Klebestreifen auf Klebestreifen lag und eine sichere faltenfreie Verbindung entstehen konnte. 

An den Querstößen wurden die Unterspannbahnen ebenfalls um mindestens 12 cm überlappend verlegt und mit dem Anschlusskleber sicher verklebt. Da dieser Bereich nicht immer unter einer Konterlattung liegt, wurde die Klebestelle mit zwei Kleberaupen abgedichtet und sorgfältig durch Andrücken miteinander verbunden. Im Bereich des T-Stoßes brachten die Dachdecker den Anschlusskleber lückenlos auf, da in diesem Bereich nur ein Klebestreifen vorhanden ist. So wird kapillarer Wassereinzug verhindert. 

Ein Neigungsmesser zeigt die Dachneigung eines Pultdaches von 10 Grad an.

Durchdringungen sichern

Um die Wasserundurchlässigkeit der Unterkonstruktion auch in den Durchdringungsbereichen der Befestigungsmittel der Konterlattung sicherzustellen, wurde unterseitig eine flüssige Nagelabdichtmasse aufgetragen. Das Material schäumt nach der Verlegung und Befestigung der Konterlatte auf und sichert auf diese Weise zuverlässig die Durchdringungen ab. Um Lagekorrekturen nach dem Auftrag der Dichtmasse zu vermeiden, wurden die Konterlatten erst positioniert, dann einmal gedreht, die Dichtmasse aufgetragen und dann die Konterlatten wieder in die ursprüngliche Position zurückgedreht und verschraubt. 

Als Konterlattung wurde nach Herstellervorgabe ein Mindestquerschnitt von 40/60 mm eingesetzt; für die Traglattung wurden Dachlatten mit ebenfalls 40/60 mm angeordnet. 

Die Verlegung der Dachpfannen mit integrierter Regensperre erledigten die Dachdecker dann anschließend mit den gewohnten Arbeitsschritten. Jeder dritte Dachstein wurde dabei - nach der exakten Windlastberechnung - mit einer passenden Sturmklammer gesichert.

 

Details

Objekt: Seniorenheim (Kalletal)
Projekt: Neubau
Planung: Architektur- und Ingenieurbüro Höfer (Lemgo)
Ausführung: Huxoll & Ebert GmbH (Ahlerstedt)
Produkt: